Die Entscheidung ist getroffen: Ich werde digitaler Nomade

Ich bin nervös. Eigentlich bin ich ein ruhiger, introvertierter und (Dank meines Hundes, mehr über ihn später) ein ausgeglichener Mensch. Nun stehen jedoch große Veränderungen in meinem Leben bevor und so ist die Aufregung groß. Hier erfährst Du mehr über mich.

NRW ist kein attraktiver Standort, weder zum Leben, noch zum Arbeiten. Schon gar nicht dann, wenn man das Leben in Saigon, Frankfurt oder Brüssel damit vergleicht.

Das Abi liegt jetzt ein Jahr zurück und der Wunsch war stets, unmittelbar danach dieses Bundesland zu verlassen. Wahrscheinlich war es gut, nichts zu überstürzen, aber jetzt ist der Wille umso ausgeprägter.

Wir beide arbeiten heute selbstständig über das Internet. Zwar haben wir ein kleines Ladengeschäft mit Büro in der Innenstadt, jedoch können wir unsere eigentliche Arbeit von jedem Ort aus erledigen. Warum aus Bequemlichkeit irgendwo bleiben, wo es nicht gefällt?

Hinzu kommt Ärger mit dem Vermieter. In der Wohnung schimmelt es an jeder Ecke und so steht ein Umzug sowieso bevor. Schulausbildung abgeschlossen, Umzug notwendig, ortsunabhängiges Einkommen – wenn nicht jetzt, wann dann? Wahrscheinlich nie! Bevor wir hier selbst verschimmeln, werden wir die Chancen nutzen und uns auf die Suche nach der Selbstverwirklichung machen. Wo immer das auch sein mag.

Die Firma meiner Frau ist in Deutschland registriert. Meine Firma in UK, aus mehreren Gründen. Wer in Deutschland die Erfahrung machen muss, am Tag nach der Gewerbeanmeldung einen Brief von der Staatsanwaltschaft im Briefkasten zu haben, mit der vorsorglichen Anzeige wegen Steuerhinterziehung, dem vergeht die Lust, bevor die eigentliche Arbeit beginnt. Unglaublich, aber Realität in NRW. Ein weiterer Grund, diesem Ort den Rücken zu kehren.

Mein erstes Unternehmen ging Konkurs. Nicht zuletzt, da das hiesige Finanzamt eine Kontopfändung erwirkte und somit innerhalb weniger Stunden das gesamte Firmengerüst zusammenbrach. Kreditkarte gesperrt, keine Verkäufe mehr auf Onlineplattformen, kein Zugriff auf Dokumente in der Cloud. Daraus lernt man und zieht Konsequenzen.

Die Firmengründung in UK ist ein Kinderspiel. Und kostet im Vergleich zu Deutschland weder Zeit noch Geld. Kein komplizierter Gesellschaftervertrag, kein Notartermin, kein wochenlanges Warten auf den Eintrag im Handelsregister. Einfach die Daten in ein Onlineformular eingeben, per Kreditkarte bezahlen und nach wenigen Stunden ist die Kapitalgesellschaft in UK gegründet und eingetragen. Genauso einfach geht es mit dem Bankkonto und all den anderen Dingen, die ein Unternehmen benötigt. Für die Buchhaltung brauche ich keinen Steuerberater und die Finanzbehörden verstehen, dass ein junges Unternehmen in den ersten Jahren keine großen Gewinne, wenn überhaupt, erwirtschaftet. In NRW werden sie dies nie verstehen, sondern weiter die Bürger und Unternehmer schikanieren und sich zugleich auf dem Länderfinanzausgleich ausruhen.

Der Brexit steht vor der Tür und die Auswirkungen auf EU-Bürger sind noch immer unklar. Nicht nur, was die Aufenthaltsrechte angeht, sondern für Unternehmer besonders interessant, was mit dem Zugang zum Binnenmarkt passiert und ob Kapitalflüsse beschränkt werden. Zwar erwarte ich nicht, dass die Briten ein Ende meiner Firma herbeisehnen, jedoch möchte ich nicht so lange warten, bis vielleicht doch eine böse Überraschung ins Haus steht.

Was ist die Alternative? Klar, ich könnte nochmals ein Unternehmen in Deutschland gründen. Aber nach den negativen Erfahrungen hier und den positiven woanders, habe ich daran kein großes Interesse. Eine Ltd. in Irland oder Malta wären mögliche Alternativen. Noch mehr Flexibilität und Service scheint jedoch Estland durch die e-residency zu bieten. Ich habe mich ausgiebig darüber informiert, viele positive als auch negative Kommentare dazu gelesen und nun die Entscheidung getroffen: Vor einigen Tagen habe ich die e-residency beantragt. Ich werde digitaler Nomade.

Über den weiteren Verlauf werde ich auf diesem Blog ausgiebig und regelmäßig berichten.